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Aus Sicht der Pflanzenzüchtung ist das Gutachten von hoher Relevanz, denn pflanzliche Rohstoffe bilden die Grundlage für eine pflanzenbasierte Ernährungsweise; sie müssen als Teil der Ernährungs-, Bioökonomie- und Klimapolitik mitgedacht werden. Die Pflanzenzüchtung ist kein Randakteur, sondern leistet systemrelevante Beiträge.
Zentrale Erkenntnisse des Gutachtens:
- Alternativprodukte als Hebel für Ernährungswandel
Das Gutachten weist Alternativprodukten eine zentrale Rolle im Ernährungswandel zu. Ihre funktionale und sensorische Nähe zu tierischen Produkten ermöglicht Konsumveränderungen ohne radikale Brüche im Alltag. Bereits moderate Reduktionen entfalten erhebliche Klima- und Gesundheitseffekte. Die sogenannte 3-R-Strategie („Reduce – Remix – Replace“) unterstützt flexible Konsumveränderungen ohne ideologischen Bruch.
- Ökologische und gesundheitliche Vorteile
Pflanzenbasierte Produkte weisen durchweg eine bessere CO₂-Bilanz auf. Gleichzeitig kann ein geringerer Fleischkonsum Krankheitsrisiken senken, sofern die Nährstoffversorgung gesichert bleibt.
- Strukturelle Auswirkungen auf Landwirtschaft und Wertschöpfung
Mit einer Ausweitung pflanzenbasierter Alternativen geht ein Rückgang der Tierhaltung einher, der strukturelle Veränderungen in der Landwirtschaft nach sich ziehen wird. Laut WBAE sind diese Veränderungen beherrschbar, sofern sie differenziert nach Regionen gestaltet und durch Beratung, Investitionen sowie Forschung begleitet werden. Darüber hinaus muss die Transformation politisch gestaltet werden; sie kann nicht alleine dem Markt überlassen werden.
- Forschungs- und Innovationspolitik als Schlüssel
Der WBAE fordert explizit den Aufbau eines umfassenden und funktionsfähigen Innovationssystems für Alternativprodukte.
Derzeitiges Innovationssystem Alternativprodukte mit klaren Defiziten
Der WBAE analysiert das bestehende Innovationssystem rund um Alternativprodukte und benennt die Defizite:
- Fragmentierung: Zwar bestehen zahlreiche unternehmerische Aktivitäten, aber sie sind fragmentiert und unterfinanziert. Es fehlt an Vernetzung und an Kapital, was dazu führt, dass Innovationen oft isoliert oder in Nischen ablaufen. Forschung, Förderung, Regulierung und Marktakteure agieren nebeneinander statt miteinander. Diese Fragmentierung spiegelt sich auch in der Wissenslandschaft wider.
- Wissensgenerierung: Forschung zu Alternativprodukten leidet unter mangelnder Bündelung und fehlenden Forschungsstrukturen, besonders im Bereich biotechnologischer Verfahren.
- Wissensaustausch: Bei dem schwach ausgeprägten Austausch fehlen sichtbare Knotenpunkte und Netzwerke sowie die Integration des Themas in Aus- und Fortbildung. Das heißt, vorhandenes Know-how wird nicht effizient verbreitet. Forschung, Wirtschaft und Politik sind nicht ausreichend vernetzt, es gibt kaum etablierte Plattformen für Kooperationen.
- Orientierung/Zielbilder: Bei der Vermittlung von Orientierung im Innovationsprozess fehlt es an strategischer Ausrichtung und politischen Zielmarken, was Investitionen erschwert. Diese Orientierungslosigkeit führt zu Unsicherheit bei Unternehmen und Investoren.
- Marktformation: Die Marktbildung wird bislang kaum aktiv unterstützt. Das Gutachten kritisiert, dass politische Maßnahmen zur Nachfragestimulierung oder Marktorganisation fehlen. Beispielsweise gab es (bislang) wenig staatliche Impulse, um Alternativprodukte breiter in den Markt zu bringen (keine größeren Beschaffungsprogramme, wenig öffentliche Aufklärung etc.).
- Ressourcenmobilisierung: Hier bestehen laut WBAE Engpässe bei Risikokapital, Infrastruktur und Fachkräften. Insbesondere KMU und neue Akteure kämpfen mit Zugangshürden. Die Ungleichheit des Zugangs zeigt sich etwa darin, dass große Lebensmittelkonzerne eher über Ressourcen verfügen, während kleinere Innovatoren mit Bürokratie (z. B. Novel-Food-Zulassungen) und Finanzierungsproblemen kämpfen. Der WBAE empfiehlt Förderprogramme und Finanzierung gezielt auch für KMU zu öffnen.
Innovationssystem Pflanze strategisch integrieren
Das WBAE-Gutachten bestätigt im Prinzip viele Erkenntnisse des Innovationssystem Pflanze: Die Transformation zu einem nachhaltigeren System erfordert nicht nur neue Produkte, sondern ein neues Innovationsverständnis. Die für das Innovationssystem Alternativprodukte genannten Instrumente sind auch zentrale Bausteine des Innovationssystems Pflanze. Vor diesem Hintergrund muss das Innovationssystem Pflanze künftig systematisch als Teil der Ernährungs-, Bioökonomie- und Klimapolitik mitgedacht werden. Die Pflanzenzüchtung ist darin kein Randakteur, sondern leistet systemrelevante Beiträge. Die Gestaltung eines leistungsfähigen Innovationssystems Pflanze muss zur strategischen Zukunftsaufgabe der Politik werden.
Zentrale Handlungsfelder aus Sicht der Pflanzenzüchtung
Forschungsförderung: Ausbau von Programmen, die vorwettbewerblich züchtungsrelevante Grundlagenforschung und anwendungsorientierte Forschung unterstützen.
Netzwerkbildung: Stärkere institutionelle und interdisziplinäre Vernetzung zwischen Züchtung, Lebensmitteltechnologie und Ernährungswissenschaft.
Systemintegration: Das „Innovationssystem Pflanze“ muss künftig systematisch als Teil der Ernährungs-, Bioökonomie- und Klimapolitik mitgedacht werden. Die Pflanzenzüchtung ist kein Randakteur, sondern ein systemrelevanter Hebel.

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