Vielfalt verpflichtet!
Die naturwissenschaftliche Evidenz ist eindeutig: Wenn wir unsere Systeme nicht grundlegend stärken, drohen bereits in den 2040er- und 2050er-Jahren massive Einbrüche in der globalen Nahrungsmittelversorgung – deutlich früher, als lange angenommen. Das ist keine zugespitzte Prognose, sondern der Konsens internationaler Spitzenforschung, vor allem zu den Auswirkungen des Klimawandels.
Wer – wie wir im BDP – science-based arbeitet, muss diese Daten kennen, einordnen und adressieren. Die Konsequenz ist weitreichend. Ernährungssicherheit, klimatische Veränderungen, geopolitische Verschiebungen und technologische Sprünge wirken heute nicht mehr isoliert, sondern verstärken sich gegenseitig. Damit verändert sich auch die Bedeutung der Landwirtschaft. Sie ist nicht nur Produktionsraum, sondern eine tragende Säule unserer gesamtgesellschaftlichen Resilienz.
Innerhalb dieser Säule spielt ein Faktor ein zentrale Rolle, der oft übersehen wird: die Vielfalt unserer Kulturarten und Sorten. Sie ist nicht nur ein Baustein innerhalb der Landwirtschaft, sondern ihr strategischer Kern. Vielfalt entscheidet darüber, wie flexibel wir auf Krisen reagieren können, wie robust unsere Systeme sind und ob Innovation entsteht, bevor sie benötigt wird. Sie ist das stille Fundament unserer Versorgung – und zugleich ein Versprechen an nachfolgende Generationen.
Ein Innovationssystem braucht Verlässlichkeit
Die Jahrestagung der mit uns verbundenen Gemeinschaft zur Förderung von Pflanzeninnovation e. V. (GFPi) hat klar gezeigt: Ein leistungsfähiges Innovationssystem Pflanze funktioniert nur dort, wo Forschung verlässlich gefördert und Expertise vernetzt werden und ein schneller Transfer in die Praxis gelingt.
Züchtungsforschung und Pflanzenzüchtung sind heute strategische Grundlagen unserer Versorgungssicherheit. Sie stehen auf einer Ebene mit Energie, Gesundheit oder digitaler Infrastruktur. Und sie brauchen dieselbe politische Klarheit: Planungssicherheit, Verlässlichkeit und den Mut, in langfristige Strukturen zu investieren.
Es ist diese stille, stetige Arbeit an den Grundlagen, die entscheidet, ob Vielfalt erhalten bleibt – und ob sie wachsen kann.
Signal und Auftrag zugleich
Mit der Einigung im Trilog auf EU-Ebene zu den neuen Züchtungsmethoden hat Europa gezeigt, dass Regulierung sowohl Innovation ermöglichen als auch Verantwortung ernst nehmen kann. Die Differenzierung auf Basis wissenschaftlicher Kriterien, die vorgesehene Transparenz – all das sind Schritte in die richtige Richtung.
Doch ein einzelnes Gesetz schafft noch keinen stabilen Rahmen für Innovation. Dazu braucht es auch einen offenen Zugang zu genetischen Ressourcen und Voraussetzungen, die niemanden ausbremsen. Die Politik muss sicherstellen, dass Fortschritt in der Pflanzenzüchtung nicht durch überzogene Patentansprüche behindert wird. Hier bleibt sie nach wie vor in der Verantwortung, diesen stimmigen Rahmen zu schaffen.
Ein Vermächtnis, das weiterwirkt
Der Blick auf das Lebenswerk von Dr. Mahmoud El Solh, Träger des Innovationspreises Gregor Mendel, führt uns vor Augen, worum es im Kern geht. Unter den Bedingungen eines Bürgerkriegs eine Genbank zu sichern, bedeutet mehr als wissenschaftliche Exzellenz – es bedeutet, Verantwortung für die Zukunft der Menschheit zu übernehmen.
Es ist ein eindrückliches Beispiel dafür, dass Vielfalt nicht selbstverständlich ist. Sie muss bewahrt, geschützt und manchmal unter extremen Umständen verteidigt werden. Das Engagement von Mahmoud El Solh zeigt: Die Bewahrung pflanzengenetischer Ressourcen ist ein globaler Auftrag, und sie ist die Grundlage für Züchtungsfortschritt überall auf der Welt.
Unser gemeinsames Ziel
Vielfalt ist unsere Lebensversicherung! Unter diesem Leitmotiv werden wir auf der Grünen Woche aufzeigen, wie zentral pflanzengenetische Ressourcen für die Resilienz unseres Landes sind und welche Verantwortung Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gemeinsam tragen.
Wir stehen an einem Punkt, an dem Vielfalt nicht mehr als Hintergrundrauschen gelten kann. Sie ist ein strategischer Wert. Eine gemeinsame Aufgabe. Und ein Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.
Herzliche Grüße
Stephanie Franck
Vorsitzende

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