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Pflanzenzüchtung ist Schlüssel moderner Vorsorge- und Resilienzpolitik 

Klimatische Veränderungen, neue Schadorganismen und geopolitische Unsicherheiten haben das Verständnis von Versorgungssicherheit grundlegend verändert. Dennoch sind die politi­schen Debatten vielfach von kurzfristiger Krisenbewältigung geprägt und der strategische Fokus liegt auf Energie, Infrastruktur oder Digitalisierung. Sorten und Saatgut als Grundlage des Agrar- und Ernährungssystems werden bislang nicht in gleichem Maße als Teil moderner Vorsorge­politik wahrgenommen. Darauf wies der BDP in seiner Pressekonferenz am 15.1.2026 hin.

Die Vorsitzende des BDP, Stephanie Franck, machte deutlich, dass Pflanzenzüchtung keine kurzfristige Reaktion auf Krisen ist, sondern eine Vorsorgeleistung mit langen zeitlichen Vorläufen. Zwischen der ersten züchterischen Entscheidung und der Markteinführung einer neuen Sorte vergehen häufig zehn bis fünfzehn Jahre. Vor diesem Hintergrund warb der BDP für mehr politische Weitsicht und Kontinuität. Zentrale Voraussetzung dafür sei ein funktionierendes Innovationssystem Pflanze mit verlässlichen politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen – von langfristiger Forschungs- und Innovationsförderung über einen innovationsfreundlichen Rechtsrahmen bis hin zu Planungssicherheit für die züchterische Arbeit.

"Wenn Risiken schneller wachsen als Anpassung, braucht es politische Prioritäten, die Vorsorge ermöglichen. Sorten und Saatgut sind eine wichtige strategische Ressource, die es bei der Etablierung von Sicherheitsstrategien unbedingt zu berücksichtigen gilt."

Stephanie Franck, Vorsitzende Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V.

Ein weiterer Schwerpunkt der Pressekonferenz war die Einordnung der Pflanzenzüchtung als Beitrag zum Risikomanagement. Dr. Philipp Schönbach, Sprecher des Vorstands der Vereinigten Hagelversicherung VVaG, ergänzte die Perspektive der Züchtung um versicherungsbasierte Schaden- und Risikodaten. Diese zeigen, dass sich Witterungsrisiken regional sehr unterschiedlich auswirken und betriebliche Anpassungen allein in vielen Fällen nicht mehr ausreichen. Vielfalt bei Kulturarten und Sorten wirkt demnach risikodämpfend und stabilisierend, auch wenn sie keine absolute Sicherheit bieten kann.

"Betriebliche Anpassung allein reicht in vielen Fällen nicht mehr aus, um sich gegen regionale Witterungsrisiken abzusichern. Vielfalt bei Kulturarten und Sorten hilft, Risiken zu mindern."

Dr. Philipp Schönbach, Sprecher des Vorstandes Vereinigte Hagelversicherung VVaG

Aus Sicht der züchterischen Praxis hob Dietmar Brauer, stellvertretender Vorsitzender des BDP, die unternehmerischen Anforderungen der Pflanzenzüchtung hervor. Langfristige Investitionen mit erst verzögert sichtbaren Ergebnissen seien nur dann möglich, wenn sie unter zunehmenden Unsicherheiten verlässlich planbar und wirtschaftlich tragfähig bleiben. Konkret wurde dies unter anderem an den Themen Nachbauregelung und Einschränkung der Patentierbarkeit verdeutlicht. Es müsse gewährleistet bleiben, dass Züchtungsunternehmen einerseits ihre Investitionen refinanzieren können und andererseits Zugang zu genetischem Material behalten.

"Züchtung heißt, heute Entscheidungen zu treffen, deren Wirkung sich oft erst Jahre später zeigt. In einer Situation wachsender Unsicherheit ist entscheidend, ob wir diese langfristigen Investitionen überhaupt noch verlässlich planen können"

Dietmar Brauer, stellv. Vorsitzender Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V.

In der Gesamtschau machte die Pressekonferenz deutlich, dass Pflanzenzüchtung und Saatgut nicht als nachrangige Produktionsfaktoren betrachtet werden dürfen. Vielmehr bilden sie einen strategischen Kern der Vorsorge für ein leistungsfähiges und anpassungsfähiges Agrar- und Ernährungssystem – mit politischen Entscheidungen, die heute getroffen werden müssen, um morgen wirksam zu sein.

Ulrike Amoruso-Eickhorn

Nicole Ickstadt

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