Die beste Krise ist die, die nicht eintritt – Vorsorge strategisch verankern
Zur Bundestagswahl 2025 hatte der BDP seine Erwartungen an die Politik der 21. Legislaturperiode formuliert. Im Zentrum stehen die strukturelle Stärkung des Innovationssystems Pflanze sowie die dafür notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen und Förderinstrumente. Dazu gehört auch der Vorschlag einer politisch verankerten Leitstelle rund um die Pflanze, die als übergeordnete Koordinationsinstanz ressortübergreifend wirken soll.
Zur Grünen Woche 2026 wurde diese strategische Linie kommunikativ weiterentwickelt und zugespitzt. Unter dem Leitmotiv „Vielfalt ist unsere Lebensversicherung“ bündelte der BDP das Thema „Sorten und Saatgut als strategische Ressource“
und stellte es in einen erweiterten vorsorge- und sicherheitspolitischen Kontext.
Der zentrale Auftakt war die BDP-Pressekonferenz. Dort wurde herausgestellt, dass Versorgungssicherheit nicht erst im Krisenfall beginnt. Züchterische Innovationskraft und verlässliche politische Rahmenbedingungen wurden als Voraussetzungen langfristiger Anpassungsfähigkeit und Stabilität eingeordnet.
Der Messeauftritt bot darüber hinaus den Rahmen für einen intensiven Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bundes- und Landespolitik, Parlamenten, Ministerien und Verwaltung. Eine Schlussfolgerung lautete: Die Anpassungsfähigkeit von Landwirtschaft und Ernährungssystemen entscheidet sich in langfristigen Innovations- und Vorsorgeprozessen.
Im Gespräch mit Bundesforschungsministerin Dorothee Bär lag der Schwerpunkt auf dem gezielten Ausbau der Agrar- und Züchtungsforschung, ihrer stärkeren Verankerung in nationalen Resilienz- und Sicherheitsstrategien sowie langfristigen Forschungsprogrammen – etwa im Bereich Data Science –, um klimaresiliente, standortangepasste Sorten zu entwickeln und die Leistungsfähigkeit der Pflanzenzüchtung in Deutschland und Europa nachhaltig zu stärken.
Anknüpfend an den Austausch im November 2025 vertiefte die BDP-Vorsitzende Stephanie Franck den Dialog mit Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und den Parlamentarischen Staatssekretärinnen Silvia Breher und Martina Englhardt-Kopf. Thematisiert wurden die Rahmenbedingungen für ein funktionsfähiges Innovationssystem Pflanze und eine leistungsfähige Pflanzenzüchtung als Teil der Sicherheitsarchitektur hierzulande.
Im Juli 2025 lud eine Allianz aus neun Agrar- und Ernährungsverbänden sowie dem Gartenbau das politische Berlin in das Haus der Land- und Ernährungswirtschaft (HdLE) ein. Es ging um die große Aufgabe der zukünftigen Ernährungssicherheit und in diesem Zusammenhang konkret um den Umgang mit Neuen Genomischen Techniken (NGT). Gemeinsam setzen sich der BDP und die weiteren Organisationen seit vielen Jahren dafür ein, dass der Nutzen neuer Technologien in der Pflanzenzüchtung anerkannt und deren Anwendbarkeit für viele Unternehmen ermöglicht werden. In Übereinstimmung mit dem Vorschlag der EU-Kommission sind die ausrichtenden Verbände der Ansicht, dass Pflanzen, die auch natürlicherweise bzw. durch herkömmliche Züchtungsmethoden entstehen könnten, nicht den Auflagen des Gentechnikrechts unterliegen, sondern wie klassisch gezüchtete Sorten reguliert werden sollten. Die Frage, „wie“ einzelne Bereiche dabei sinnvoll ausgestaltet werden könnten, wurde beim Berliner Abendgespräch offen diskutiert.
Auf Initiative des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) fand im November 2025 ein Runder Tisch zur Schilf-Glasflügelzikade statt. Anlass war die zunehmende Ausbreitung des Insekts und der von ihm übertragenen Krankheiten in diversen Kulturarten. Der BDP hat sich an dem Austausch beteiligt und die Sicht der Pflanzenzüchtung eingebracht. Deutlich wurde, dass es belastbare Strukturen in Forschung, Züchtung und Pflanzenschutz braucht. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Julius Kühn-Institut mit seiner fachlichen Arbeit. Der Runde Tisch setzt ein Signal für ein abgestimmtes Vorgehen. Entscheidend bleibt, die begonnenen Schritte langfristig durch Forschung, klare Prioritäten und verlässliche Rahmenbedingungen abzusichern.
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