Züchtung und Züchtungsforschung folgen langen Entwicklungspfaden. Kontinuität in Programmen, institutionelle Stabilität und langfristige Finanzierung sind daher Grundvoraussetzungen wirksamer Forschungspolitik. Fortschritt entsteht dort, wo wissenschaftliche Erkenntnisse systematisch in Anwendung überführt werden können.
Ein Beispiel für vorausschauendes Handeln ist die frühzeitige Befassung mit den Pflanzen-Insekten-Interaktionen. Bereits Jahre vor den aktuellen Schadereignissen durch die Schilf-Glasflügelzikade hat die Gemeinschaft zur Förderung von Pflanzeninnovation e. V. (GFPi) auf bestehende Wissenslücken hingewiesen und den Dialog zwischen Wissenschaft, Ressortforschung, Ministerien und Pflanzenzüchtern angestoßen. Mit der Förderrichtlinie „PhytoProtect“ wurde innerhalb der Hightech Agenda ein erster Rahmen geschaffen, um Grundlagenforschung, Methodenentwicklung und entomologische Expertise gezielt zu stärken. Ziel ist, Methoden und Technologien auf den Gebieten der Pflanzen-Insekten-Interaktionen und der Pflanzenschutzforschung zu fördern. Auch für die Ausbildung von wissenschaftlichem Nachwuchs werden durch das Forschungsprogramm wichtige Impulse gesetzt. Erste Projekte sollen in diesem Jahr starten. Entscheidend ist, diese Ansätze dauerhaft abzusichern und in langfristige Förderlinien zu überführen.
Forschungsförderung im Bereich Data Science muss über die reine Projektfinanzierung hinausgehen und gezielt Strukturen für Datenstandards, Schnittstellen, Austauschformate und belastbare Kooperationsmodelle schaffen.
Auch in der Pflanzenzüchtung rücken die systematische Nutzung und Verknüpfung von großen Datenmengen unterschiedlichen Typs zunehmend in den Mittelpunkt. Umfangreiche Datensätze aus Genomanalyse, Phänotypisierung und Feldversuchen sowie angrenzenden Bereichen wie Agronomie, Boden- und Klimadaten oder Landtechnik liegen grundsätzlich vor und bergen erhebliches Potenzial für eine verbesserte Vorhersagbarkeit auf dem Weg zur standortangepassten Sorte. In der Praxis sind diese Daten jedoch häufig nicht interoperabel, nur eingeschränkt zugänglich oder institutionell unzureichend vernetzt.
Forschungsförderung muss deshalb über die reine Projektfinanzierung hinausgehen und gezielt Strukturen für Datenstandards, Schnittstellen, Austauschformate und belastbare Kooperationsmodelle schaffen. Nur so entsteht ein leistungsfähiges Innovationssystem, in dem Daten sektorübergreifend genutzt werden können.
Data Science ist dabei ein strategisches Instrument, um vorhandenes Wissen systematisch zu integrieren, Genotyp-Umwelt-Management-Interaktionen besser zu modellieren und Forschungsergebnisse schneller und präziser in züchterische Innovation zu überführen.
Deutschland braucht ein kohärentes Innovationssystem Pflanze, das Forschung, Förderung und Regulierung enger verzahnt. Die wissenschaftliche Kompetenz ist vorhanden – entscheidend ist, die Verbindung zwischen Grundlagenforschung, angewandter Forschung und unternehmerischer Züchtung strategisch zu stärken. Forschungsförderung muss deshalb als Teil einer langfristig angelegten Innovationsstrategie verstanden werden. Nur so kann Pflanzeninnovation ihre Wirkung als strategische Ressource für Klimaresilienz und Ernährungssicherheit dauerhaft entfalten.
EU-Förderung ab 2028
Der Vorschlag der EU-Kommission zu dem Rahmenprogramm für Forschung und Innovation ab 2028 liegt auf dem Tisch. Der für die Pflanzenzüchtung wichtige Bereich der angewandten Forschungsprojekte zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist unter Druck, da marktnahe Innovationsförderung verstärkt in den Fokus rückt. Insbesondere das EU-Parlament sieht hierdurch einen Hebel, die europäische Industrie global wettbewerbsfähiger zu machen. Umso wichtiger für die zukünftige Ausstattung mit ausreichend EU-Fördermitteln ist es daher, die Bedeutung der Pflanzenzüchtung für die Versorgungsicherheit Europas hervorzuheben und den Schulterschluss mit angrenzenden Fachbereichen zu suchen.
Im GFPi-Geschäftsbericht sind Informationen rund um aktuelle Forschungsprojekte, Entwicklungen und Ergebnisse zu finden.

