
Internationale Interessenvertretung
Der BDP vertritt die deutschen Positionen in den entsprechenden Arbeitsgremien der Dachverbände Euroseeds und International Seed Federation (ISF). Über Euroseeds werden die Interessen der europäischen Saatgutbranche in Richtung EU-Kommission und -Parlament gebündelt. Die ISF bringt die Belange der Pflanzenzüchtung in die Arbeit internationaler Organisationen wie FAO, WTO und UPOV ein. Mit dem Schiedsgerichtsverfahren der Internationalen Seed Federation steht der Branche ein bewährter Mechanismus zur effizienten und sachnahen Streitbeilegung im internationalen Saatguthandel zur Verfügung

Genetische Ressourcen
Der Zugang zu genetischen Ressourcen und der Vorteilsausgleich für deren Nutzung sind weiterhin wichtige Themen für die Züchtungsbranche. Sowohl bei Euroseeds als auch bei ISF existieren entsprechende Arbeitsgruppen, in die sich der BDP aktiv einbringt. Im vergangenen Jahr standen dabei vor allem die Verhandlungen beim Internationalen Saatgutvertrag (ITPGRFA) zu einem verbesserten Multilateralen System im Fokus. Leider konnte bei der Verwaltungsratssitzung im November 2025 keine Einigung hierzu erzielt werden. Damit wurde eine wichtige Chance verpasst, den ITPGRFA als internationales Instrument für den Zugang zu pflanzengenetischen Ressourcen zu stärken. Umso wichtiger wird es zukünftig sein, die weiteren Verhandlungen zum Vorteilsausgleich für die Nutzung genetischer Ressourcen und digitaler Sequenzinformationen (DSI) unter dem Dach der Biodiversitätskonvention (CBD) zu verfolgen und intensiv zu begleiten.

Revision des EU-Saatgutrechts
Euroseeds befasst sich über die Facharbeitsgruppe CPRM (Committee Registration and Marketing of Plant Reproductive Material) mit der Novellierung des EU-Saatgutrechts. Die Experten evaluieren die aktuellen Verhandlungspositionen und verfolgen die politischen Weichenstellungen. Im Jahr 2026 liegt das Hauptaugenmerk auf den Trilog-Verhandlungen, die unter der zyprischen Ratspräsidentschaft beginnen und sich voraussichtlich über das gesamte Jahr erstrecken werden. Durch gezielte Standpunkte und den Dialog mit politischen Entscheidungsträgern stellt Euroseeds sicher, dass die Positionen der Saatgutwirtschaft Gehör finden.

Schutz geistigen Eigentums und Nachbau
Im vergangenen Jahr hat die EU-Kommission mit der Bewertung des europäischen Sortenschutzrechts begonnen. In diesem Rahmen führt sie von Januar bis April 2026 eine Evaluation unter den Interessenvertretern durch. Die BDP-Geschäftsstelle engagiert sich in den Arbeitsgruppen Committee on Intellectual Property Rights (CIPR), Committee Policy Foresight and Advocacy (CPOL) und Committee Working Group Farm Saved Seed (CWG FSS), die sich mit der Thematik befassen und die Eingabe in die Evaluation erarbeiten.
Der BDP gehört ferner zur Euroseeds-Delegation, die sich als Observer zusammen mit weiteren internationalen Züchterverbänden in die UPOV-Arbeitsgruppe WG on harvested Material and Unauthorized use of Propagating Material (WG HRV) einbringt. Im Januar 2026 wurde die von dieser Arbeitsgruppe in Auftrag gegebene Studie zum Umfang des Sortenschutzes und zum Verhältnis zur Erschöpfung des Sortenschutzes veröffentlicht. Euroseeds begleitet den Vorgang, um eine Verbesserung der Erläuterungen zum UPOV-Übereinkommen im Sinne der Stärkung des Sortenschutzes zu erreichen.

Kommunikation
Voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen: In den Arbeitsgruppen Kommunikation von Euroseeds und ISF steht der Austausch über konkrete Maßnahmen der einzelnen Mitglieder im Fokus der Aktivitäten. Zudem werden Themen und Anlässe identifiziert, zu denen eine gemeinschaftliche Kommunikation sinnvoll ist. Das von der FAO ausgerufene Internationale Jahr der Frau in der Landwirtschaft bietet hier Möglichkeiten und wurde mit Kampagnen zu #WomeninPlantbreeding eingeleitet.

Plant Breeding Innovation – neue Züchtungsmethoden – in Europa und der Welt
Bei Euroseeds und ISF bearbeiten jeweils eigene Arbeitsgruppen das Thema Innovation in der Pflanzenzüchtung – das Committee bzw. die Coordination Group Plant Breeding Innovation. Hierbei konzentrierten sich die Aktivitäten bei Euroseeds insbesondere auf die Diskussion zum Vorschlag der EU-Kommission über
Pflanzen aus Neuen Genomischen Techniken (NGT). Während es im Jahresverlauf 2025 vornehmlich darum ging, den Prozess im Trilog zu begleiten und voranzubringen, wird seit der Einigung im Dezember der Blick auf die nach einer Verabschiedung der NGT-Verordnung anstehenden Schritte gerichtet. Auch die für die zwei Jahre nach der Verabschiedung vorgesehenen Durchführungs- und delegierten Rechtsakte stellen noch wichtige Weichen für die praktische Nutzbarkeit neuer Züchtungsmethoden.
Die ISF hat im vergangenen Jahr den Blick insbesondere auf global möglichst einheitliche gesetzliche Regelungen für Pflanzen aus neuen Züchtungsmethoden gerichtet. Hierzu veranstaltet die ISF regelmäßig Treffen im Rahmen wissenschaftlicher Tagungen, zu denen auch die fachlich damit befassten Behördenvertreter eingeladen werden. Dies war zuletzt beim Kongress der International Society on Biosafety Research der Fall, bei dem die ISF mehrere Abschnitte gestaltete, um insbesondere auf Herausforderungen bei der international einheitlichen Implementierung bereits bestehender gesetzlicher Regelungen hinzuweisen.
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