Pflanzengesundheit
Die Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) breitet sich in den letzten Jahren in Deutschland rasant aus und entwickelt sich zu einem der zentralen neuen Schaderreger im Kartoffelanbau. Als Vektor überträgt sie den Krankheitskomplex SBR/Stolbur und stellt damit ein erhebliches Risiko für die Kartoffelzüchtung und -produktion dar. Die Folgen sind drastisch und reichen von Ertrags-, Qualitäts- und Lagereinbußen über die Aberkennung ganzer Pflanzgutpartien bis hin zu Totalausfällen der Ernte.
Zur Umsetzung kurz-, mittel- und langfristiger Lösungsansätze – darunter reguläre Pflanzenschutzmittelzulassungen, ackerbauliche Sofortmaßnahmen sowie die Entwicklung robuster Sorten durch Stärkung der Züchtung und Züchtungsforschung – wird die Kommunikation mit Politik und Behörden intensiviert. BDP-Vertreter konnten im Rahmen ihrer Teilnahme am Runden Tisch zur Schilf-Glasflügelzikade am 16.12.2025 im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sowie an den vom Julius Kühn-Institut (JKI) organisierten Fachgesprächen zum Krankheitskomplex SBR/Stolbur verdeutlichen, wie bedeutend die politische Unterstützung bei der Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade für die gesamte Landwirtschaft und den Gartenbau ist.
Schilf-Glasflügelzikade
Als größter Kartoffelproduzent der Europäischen Union steht Deutschland vor vielfältigen Herausforderungen. Die im BDP organisierten Kartoffelzüchterinnen und -züchter leisten hierzu gemeinsam mit der Branche einen zentralen Beitrag, um den gesellschaftlichen Versorgungsauftrag dauerhaft und nachhaltig zu erfüllen. Tragfähige Lösungen können dabei nur im Schulterschluss aller Beteiligten erreicht werden.“
Dr. Justus Böhm, Mitglied im BDP-Vorstand und Vorsitzender der BDP-Abteilung Kartoffeln
Leider gewinnt auch das Blattrollvirus (PLRV) in den letzten Jahren zunehmend an Relevanz. Das PLRV tritt in Deutschland wieder vermehrt auf und führt zu hohen Aberkennungsraten in der Pflanzgutvermehrung; natürliche Veränderungen des Virus im Zeitverlauf können auftreten. Vertreter der BDP-Abteilung Kartoffeln stehen hierzu in konstruktivem Austausch mit dem Bundessortenamt (BSA) und dem JKI mit dem Ziel, die Prüfung auf Anfälligkeit gegenüber dem Blattrollvirus im Rahmen der Wertprüfung im Sortenzulassungsverfahren wieder durchzuführen. Das weiter vorangetriebene Vorhaben der BDP-Abteilung Kartoffeln zur Ausweisung von Gesundlagen in weiteren Bundesländern wie Niedersachsen stellt zudem einen wichtigen Baustein zur Sicherung der Pflanzgutvermehrung in Deutschland dar.
Blattrollvirus (PLRV)
Export von Pflanzgut in Drittländer
Um die Export- und Wettbewerbsfähigkeit von Pflanzkartoffeln in Drittländer zu verbessern, führen Vertreter der BDP-Abteilung Kartoffeln regelmäßige und intensive Besprechungen mit den Pflanzenschutzdiensten durch. Hier geht es um Themen wie die Vereinheitlichung der Abläufe und Zeitpunkte bei Exporttestungen sowie die Verbesserung der Informationskette bei kurzfristigen Änderungen der Importbestimmungen der Zielländer.
Bei unterschiedlichen Befunden zwischen Export- und Importtestungen auf Schaderreger erörtert die Abteilung zudem mit dem BMLEH mögliche Lösungsansätze wie die Durchführung von Laborvergleichsuntersuchungen, an denen auch Drittländer teilnehmen dürfen.
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