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Warum wir systemisch denken müssen, wenn wir Ernährung sichern, Klima schützen und Landwirtschaft erneuern wollen. 

Leistungsfähige Pflanzen sind eine unsichtbare, aber zentrale Infrastruktur unserer Gesellschaft. Sie sichern Erträge, ermöglichen eine hochwertige sowie ausgewogene Ernährung und halten landwirtschaftliche Betriebe am Laufen. Doch sie entstehen nicht zufällig – und auch nicht allein durch Fortschritte im Labor. Was am Ende auf dem Acker wächst, ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels von Forschung, Wissenschaft, Unternehmen, landwirtschaftlicher Praxis, gesellschaftlichen Erwartungen und politischem Gestaltungswillen.

Mit dem Begriff „Innovationssystem Pflanze“ rückt der BDP diesen Zusammenhang ins Zentrum seiner politischen Kommunikation. Denn fest steht: Einzelmaßnahmen reichen nicht mehr aus. Es braucht Systematik und strukturelle Voraussetzungen, damit Innovationen rund um die Pflanze künftig wirksam, tragfähig und gesellschaftlich anschlussfähiger werden.

Erklärfilm zur Rolle der Pflanzenzüchtung als Knotenpunkt im Innovationssystem Pflanze

Was wir brauchen

Der politische Diskurs über Landwirtschaft fokussiert sich häufig auf kurzfristige Krisenbewältigung, Preisfragen oder regulatorische Zielkonflikte – etwa zwischen Umweltauflagen und Wirtschaftlichkeit der Produktion. Pflanzen als strategische Ressource bleiben dabei oft vernachlässigt. Dabei beginnt die Weiterentwicklung der Agrar- und Ernährungssysteme genau hier: Bei der Frage, welche pflanzlichen Grundlagen wir morgen brauchen, um Ernährung zu sichern, Klimaresilienz zu stärken und Wertschöpfung zu ermöglichen.

  • Wir brauchen Pflanzen, die mit Hitze, Starkregen oder neuen Schädlingen zurechtkommen – und dennoch stabile Erträge liefern.
  • Wir brauchen Pflanzen, die mit knapper werdendem Wasser auskommen.
  • Wir brauchen Pflanzen, die Nährstoffe effizienter nutzen und mit weniger Pflanzenschutz zurechtkommen.

Solche Pflanzen sind das Ergebnis eines langfristigen Innovationsprozesses, in dem Züchtung, Forschung, Praxis und politische Gestaltung eng verzahnt sein müssen. Genau hier setzt das Innovationssystem Pflanze als Netzwerk aus Wissensströmen, institutionellen Rahmenbedingungen und praktischer Anwendung an. Ein System, das nur dann funktionieren kann, wenn es strukturell durchdacht, politisch gewollt und gesellschaftlich getragen ist.

Das Innovationssystem Pflanze ist also mehr als die Summe seiner Teile. Es zielt nicht auf einzelne Technologien oder Produkte ab, sondern darauf, Pflanzen hervorzubringen, die den komplexen Anforderungen von Landwirtschaft, Umwelt und Gesellschaft gerecht werden.

Das KI-generierte Bild veranschaulicht die Vision eines zukunftsfähigen Innovationssystems Pflanze. Durch das koordinierte Zusammenwirken aller relevanten Akteure – von Forschung über Politik bis hin zur Praxis und Gesellschaft – können resiliente und produktive Agrar- und Ernährungssysteme entstehen. 

Im Zentrum steht die Pflanze – als Symbol für Ernährungssicherung, Biodiversität und bioökonomischen Wandel. Um sie herum entfaltet sich ein Netzwerk zentraler Elemente eines funktionierenden Innovationssystems:

  • Links im Bild beginnt der Prozess mit der Forschung: Hier wird die Basis für klimaresiliente, ressourceneffiziente und ertragreiche Pflanzen gelegt. Diese vorwettbewerbliche Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung ist interdisziplinär und zunehmend datengetrieben; sie muss öffentlich gefördert werden.  
  • Daran schließen sich die Zuchtgärten der Pflanzenzüchtungsunternehmen an, die innovative Sorten bis zur Marktreife entwickeln. Ihr Erfolg hängt von verlässlichen rechtlichen Rahmenbedingungen wie z. B. einem starken Sortenschutz, dem Zugang zu pflanzengenetischen Ressourcen und einem breit anwendbaren Methodenspektrum ab. 
  • Rechts im Bild ist die landwirtschaftliche Erzeugung dargestellt – also die Umsetzung der Innovationen in der Praxis. Landwirte, Verarbeiter und der Lebensmitteleinzelhandel sorgen gemeinsam dafür, dass die hochwertigen Produkte Verbraucherinnen und Verbraucher erreichen.
  • Im oberen Bildbereich ist die Politik symbolisch durch die EU-Kommission und das Bundeskanzleramt vertreten. Sie verkörpern die Forderung nach einer Leitstelle für nachhaltige Pflanzeninnovation. Diese Leitstelle soll ressortübergreifend arbeiten und alle Akteure koordinieren.
  • Am Tisch sitzen Vertreterinnen und Vertreter aller relevanten Bereiche inklusive der Zivilgesellschaft, flankiert von Kindern als Symbol für die nachfolgenden Generationen. Sie stehen für die gesellschaftliche Mitverantwortung und für die Bedeutung pflanzlicher Vielfalt für eine gesunde, ausgewogene Ernährung.

Im Innovationssystem Pflanze geht es um weit mehr als Züchtung im engeren Sinne. Innovation entsteht durch ein strukturiertes Zusammenspiel aus:

  • Kooperationen zwischen Züchtung, Forschung, Praxis und Beratung,
  • der gezielten Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in praxistaugliche Anwendungen,
  • effektiven Schnittstellen für Wissens- und Technologietransfer sowie
  • politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die Innovation ermöglichen und Orientierung geben.

Das Innovationssystem Pflanze ist also kein technisches Spezialthema, sondern verbindet wissenschaftliche Tiefe mit praktischer Relevanz – und schafft die Voraussetzungen dafür, dass Innovationen in der Fläche ankommen. Diese Innovationen wirken weit über den Acker hinaus. Sie sind zentral für Ernährungssicherung, Klimaresilienz und Standortattraktivität. Aber: Sie entfalten ihre Wirkung nur, wenn die politischen und strukturellen Bedingungen stimmen.

Dazu gehören im Bereich der Pflanzenzüchtung:

  • ein verlässlicher Sortenschutz, der Investitionen in Züchtung absichert,
  • der freie Zugang zu pflanzengenetischen Ressourcen,
  • die Möglichkeit der Anwendung eines breiten Spektrums an Züchtungsmethoden sowie
  • eine passgenaue Forschungsförderung, die langfristig angelegt ist.

Weichenstellung für ein funktionierendes Innovationssystem

Trotz aller Fortschritte funktioniert das Innovationssystem Pflanze heute nur eingeschränkt. Der Grund ist die fehlende übergreifende Koordinierung, die die Systemlogik politisch abbildet. Das Ergebnis: Innovation bleibt punktuell, ohne das Gesamtsystem nachhaltig zu verändern.

Mit Blick auf die neue Legislaturperiode plädiert der BDP für einen Paradigmenwechsel. Es braucht eine politische Rahmensetzung, die das Innovationssystem Pflanze sichtbar macht, strukturell fördert und strategisch weiterentwickelt.  

Konkret bedeutet das:

  • Einrichtung einer Leitstelle, die politische Prozesse koordiniert, ressortübergreifende Verantwortung bündelt und Innovationspfade strategisch begleitet.
  • Verankerung des Innovationssystems Pflanze im agrarpolitischen Diskurs – als Querschnittsthema zwischen Landwirtschaft, Forschung, Wirtschaft und Umweltpolitik.
  • Förderung offener Wissensflüsse, von der Ausbildung bis zur Anwendung in der Fläche – inklusive digitaler Technologien, Dateninfrastruktur und Fachkräftestrategien.

Denn: Wer das Innovationssystem stärkt, stärkt nicht nur die Züchtung – sondern die Zukunftsfähigkeit der gesamten Agrar- und Ernährungssysteme.

Warum das Thema jetzt auf die politische Agenda gehört

Die Zeit drängt. Klimaextreme, geopolitische Krisen und gesellschaftliche Erwartungen verändern die Rahmenbedingungen schneller, als klassische Reformprozesse mithalten können. Gerade deshalb braucht es ein Innovationssystem, das gleichermaßen flexibel sowie lern- und tragfähig ist.

Pflanzenzüchtung kann einen entscheidenden Beitrag leisten – wenn man sie lässt. Sie kann eine Brücke sein zwischen wissenschaftlicher Exzellenz und praktischer Anwendung, zwischen gesellschaftlichem Anspruch und landwirtschaftlicher Realität sowie zwischen Klimaziel und Ertragssicherheit. Das gelingt nur, wenn sie Teil eines größeren Ganzen ist – und politisch auch so behandelt wird. Die Politik muss heute die Strukturen schaffen, die Innovation morgen möglich machen. Wer Landwirtschaft zukunftsfähig gestalten will, kommt am Innovationssystem Pflanze nicht vorbei.

Ulrike Amoruso-Eickhorn

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