WISSENSCHAFT & FORSCHUNG
Modellregion DiP Sachsen-Anhalt: Digitalisierung pflanzlicher Wertschöpfungsketten in der Bioökonomik

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Der Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier stellt Sachsen-Anhalt vor große Herausforderungen – und eröffnet gleichzeitig neue Chancen. Der gesetzlich beschlossene Kohleausstieg bis spätestens 2038 hinterlässt nicht nur wirtschaftliche Lücken, sondern erfordert gezielte Zukunftsstrategien für Regionen wie die Landkreise Anhalt-Bitterfeld, Mansfeld-Südharz, den Burgenlandkreis und den Saalekreis sowie die Stadt Halle (Saale). In einer Region, deren Wirtschaft maßgeblich von der chemischen Industrie, dem Energiesektor und der Agrar- und Ernährungswirtschaft geprägt ist, wirken sich Veränderungen in diesen Leitmärkten direkt auf Arbeitsplätze und Lebensqualität aus.
Hinzu kommt der spürbare Klimawandel, der die landwirtschaftliche Produktion durch Extremwetterereignisse, beispielsweise Trockenperioden oder Überflutungen, zunehmend unter Druck setzt und oft zu unvorhersehbaren Ernteausfällen führen kann. In dieser Situation bietet die Digitalisierung einen vielversprechenden Hebel: Sie ermöglicht es, pflanzliche Wertschöpfungsketten widerstandsfähiger, ressourcenschonender und zukunftsfähiger zu gestalten.
Vor diesem Hintergrund wurde die DiP Modellregion Sachsen-Anhalt ins Leben gerufen – mit dem Ziel, die Digitalisierung pflanzlicher Wertschöpfungsketten in der Bioökonomie nicht nur exemplarisch zu erproben, sondern als Antwort auf Strukturwandel, Klimarisiken und Innovationsdruck strategisch zu verankern. Dabei sollen wissenschaftliche Exzellenz, innovative Industrien und attraktive Arbeitsplätze gefördert werden.
Weitere Informationen und aktuelle Entwicklungen finden Sie auf der offiziellen DiP-Website.
Diese Kulturarten stehen im Mittelpunkt der züchterischen Forschung in DiP
Eine durchdachte Kombination aus bewährten Hauptkulturen (Weizen, Zuckerrüben), nachhaltigen Alternativen (Leguminosen), hochwertigen Nischen (Sonderkulturen) und zukunftsweisenden Systemen (Agroforst) – im Blick dabei: die Bedarfe (neue Wertschöpfung) und Möglichkeiten (Branchen und Strukturen) im südlichen Sachsen-Anhalt:
- Erbse – heimische Proteinquelle und damit u. a. Fleischersatz, Stickstofffixierer = reduziert Düngemittelbedarf → Beitrag zu Proteinkompetenz & Bodenfruchtbarkeit (DiP-DiPisum).
- Weizen – Basisfrucht; DiP-DIAMANT adressiert komplexe Genomik für Hitze- und Trockenstress; weiteres Wertschöpfungspotenzial bietet eine optimierte Strohqualität: Nicht nur Korn, sondern auch Stroh als Rohstoff für neue Produkte wie biobasierte Chemikalien und Materialien (DiP-Liglue).
- Zuckerrübe – Schlüsselpflanze für Zuckerproduktion und Bioraffinerien für Energieträger und chemische Produktion aus Reststoffen, industrielle Verarbeitungsanlagen bereits in der Region etabliert bzw. im Aufbau, Anbauoptimierung bzgl. Hitze- und Trockenstress (DiP-ZAZIkI), weiteres Wertschöpfungspotenzial aus Reststoff Melasse (DiP-LeFOS).
- Agroforst – Schnellwachsende Gehölze bilden einen Mehrwert in der Landschaft Süd-Sachsen-Anhalts bei der synergetischen Bewirtschaftung von Gehölzen und landwirtschaftlichen Kulturen auf den selben oder benachbarten Flächen. Der Agroforst bietet neben ökologischen Vorteilswirkungen (z. B. Schutz vor Wetterextremen) auch die Erweiterung pflanzlicher Wertschöpfungsketten und die Nutzung von Gehölzen, beispielsweise in der Bioraffinerie (DiP-SMART Agroforst).
- Nutzhanf – Fasern und Baustoffe, geringe Inputkosten, CO₂-Speicher (DiP-iQ-Hanf), industrielle Verarbeitungsanlage entsteht derzeit in der Region (Hanffaser Geiseltal eG).
- Quinoa, Amaranth, Kichererbse – Etablierung neuer Sonder-/Superfood-Kulturen (DiP-SuSaKlim) durch Sortenscreening und KI-gestützte Sortenentwicklung und somit Erschließung neuer Wertschöpfungsketten inkl. Kompetenzaufbau für spezielle Anbau-, Verarbeitungs- und Vermarktungsexpertise, Ausweitung der Fruchtfolgen.
- Majoran, Salbei, Rosmarin, Thymian – Arznei- und Gewürzpflanzen (DiP-OptiLamia, DiP-NA-WIR) für Diversifikation und Klimarobustheit. Das südliche Sachsen-Anhalt ist etabliertes Anbaugebiet für Sonderkulturen – Wissen und Strukturen sind vorhanden und sollen erhalten bleiben; weitere Wertschöpfungspotenziale werden erschlossen, indem wirkstoffreichere Pflanzen, u. a. auch für neue Produkte in der Pharma-Industrie, gezüchtet werden. So senkt beispielsweise die Frosttoleranz die Anbaukosten enorm, denn Arznei- und Gewürzpflanzen wachsen langsamer als Un-/Beikräuter, die gerade in der Wuchsphase nicht maschinell entfernt werden können.
Interview mit Prof. Dr. Klaus Pillen, Vorstand Leuchtturm 3 und DiP-Sprecher
Ausblick
Diese Leuchtturm-Projekte aus dem DiP-Kontext könnten die Pflanzenzüchtung deutschlandweit voranbringen:
- DiP-DIAMANT – Plattform für Präzisionsgenomik → als digitales, KI-gestütztes Züchtungswerkzeug
- DiP-MAGDI – offene MRI-Datenbank & Algorithmen für phänotypische digitale Pflanzenzwillinge (digital twins)
- DiP-DiPisum – Blaupause für integrierte Zucht- bis Markt-Wertschöpfung („Protein der Zukunft“)
- DiP-ZAZIkI – KI-gestützte Zuckerrüben-Anbausysteme mit automatisierter Bestandserfassung
- DiP-HyperSpace –Technologie zur räumlich aufgelösten Erfassung gewebespezifischer Genexpressionsmuster (SpaceEx)

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