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Karin Riemer folgt auf Elmar Pfülb

Seit dem 1. Februar 2026 hat die Bundesoberbehörde mit der Diplom-Agraringenieurin Karin Riemer eine neue Leitung. Sie folgt auf Elmar Pfülb, der das Bundessortenamt seit 2020 leitete und mit Ablauf des 31. Januar 2026 in den Ruhestand getreten ist.

 „Wenn es das Bundessortenamt nicht gäbe, müsste es erfunden werden“, so Stefanie Franck, Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Pflanzenzüchter e. V., bei ihrer Rede anlässlich der feierlichen Amtsübergabe am 21. Mai 2026 in Hannover. 

Das Bundessortenamt (BSA) bildet die Brücke zwischen den Innovationen der Züchtungsunternehmen und der Sicherheit für Landwirte und Verbraucher. Es steht für Sortenschutz und Sortenzulassung in Deutschland und ist somit Grundbuchamt und TÜV in einem: es prüft, ob neue Pflanzensorten wirklich neu, unterscheidbar, homogen und beständig sind und bescheinigt bei positivem Ergebnis mit der Sortenzulassung die Vertriebsfähigkeit einer Sorte. Getestet wird unter neutralen Bedingungen und hohen Qualitätsstandards, ob die neuen Sorten den Praxistest bestehen. Wie ein Notar verbrieft das Bundessortenamt mit dem Sortenschutz das Urheberrecht an einer neuen Sorte und sichert damit die jahrelange Forschungsarbeit der Züchter ab.

In Bonn machen die Bürgerinnen und Bürger gerade die Erfahrung, welche massiven Auswirkungen eine gesperrte Brücke auf die gesamten Verfahrensabläufe einer Stadt hat. 

Um bei dem Bild der Brücke zu bleiben: nur reibungslose und zügig fließende Abläufe der Verfahren im BSA ermöglichen die Erhaltung der hohen Innovationskraft der Züchtungsunternehmen, verbesserte Sorten für die Landwirtschaft und das Vertrauen in das gesamte Saatgutsystem. Wichtig ist an dieser Stelle die ständige Weiterentwicklung des Systems, damit es seine Leistungsfähigkeit erhält und zeitgemäß bleiben kann.

Das Bundessortenamt ist von zentraler Bedeutung für die gesamte Branche. Die Bereitstellung eines verlässlichen Sorten- und Saatgutsystems ist die hoheitliche Aufgabe des Bundessortenamts und dient neben den Züchtern vor allem der Landwirtschaft und der Gesellschaft. Dies muss sich zukünftig in der Ausgestaltung der Gebührenordnung stärker widerspiegeln.

Um die mittelständisch geprägte Züchterlandschaft in Deutschland mit einer hohen Kultur- und Artenvielfalt zu erhalten, gilt es jetzt für alle Beteiligten, die Anforderungen und Maßnahmen in der richtigen Balance zu halten. 

Karin Riemer, die neue Amtsleiterin, verfügt über langjährige Erfahrung sowohl in zentralen Fach- und Leitungsfunktionen der Behörde als auch in der Prüfungsdurchführung. 

Sie übernimmt das Amt in einer herausfordernden Zeit. Für die BDP-NACHRICHTEN hat sie uns ein Interview gegeben.

Das Bundessortenamt ist die Schnittstelle zwischen Innovation, Landwirtschaft und Ernährungssicherung. Welche Rolle wird das Amt künftig in einem sich wandelnden agrar- und geopolitischen Umfeld spielen?

Das Bundessortenamt wird auch künftig eine wichtige Rolle als Schnittstelle zwischen Pflanzenzüchtung, Landwirtschaft, Gartenbau und Ernährungssicherung einnehmen. Unsere Kernaufgaben - Sortenzulassung und Sortenschutz - fördern den züchterischen Fortschritt und damit die stetige Verbesserung von Pflanzensorten in Landwirtschaft und Gartenbau. Das ist eine wesentliche Grundlage für die Wertschöpfung, eine stabile Produktion und zugleich für den Erhalt und die Förderung biologischer Vielfalt.

Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels, zunehmender Wetterextreme, neuer Schaderreger sowie veränderter Qualitätsanforderungen kommt leistungsfähigen, angepassten und widerstandsfähigen Sorten eine zentrale Bedeutung zu. Neue Sorten müssen dazu beitragen, die steigende Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln zu bedienen und gleichzeitig eine nachhaltige Pflanzenproduktion zu ermöglichen. Das Bundessortenamt schafft hierfür durch neutrale Prüfungen und verlässliche Entscheidungen eine wichtige Grundlage.


Wo sehen Sie die größten fachlichen und strukturellen Herausforderungen für Zulassung und Schutz neuer Sorten?

Die gesetzlichen Regelungen zur Sortenzulassung und zum Sortenschutz bilden einen bewährten und verlässlichen Rahmen, um die Pflanzenzüchtung bei der Entwicklung neuer, immer besserer Sorten und deren Einführung in die landwirtschaftliche und gartenbauliche Praxis zu unterstützen. Die Herausforderung besteht darin, diesen Rahmen auch unter sich schnell verändernden Bedingungen leistungsfähig zu halten.

Fachlich geht es insbesondere darum, neue Züchtungsmethoden, veränderte Anbaubedingungen, Klimaanpassung, Krankheits- und Schädlingsdruck sowie neue Qualitätsanforderungen angemessen in Prüfung und Auswertung abzubilden. Strukturell stehen wir zugleich vor der Aufgabe, Einsparauflagen im Haushalt und im Personalbereich mit den Anforderungen einer modernen, digitalisierten Prüf- und Verwaltungsstruktur in Einklang zu bringen. Die digitale Transformation bietet große Chancen, erfordert aber auch Investitionen in Technik, Infrastruktur und Qualifikation.


Sie übernehmen das Amt in einer Phase großer Veränderungen für Landwirtschaft und Pflanzenzüchtung. Wo möchten Sie als neue Präsidentin des Bundessortenamts besondere Akzente setzen?

Mir ist wichtig, das Bundessortenamt zukunftsorientiert, fachlich stark und modern weiterzuentwickeln. Dazu gehört, stetige Verbesserungen vorzunehmen, technischen Fortschritt und Digitalisierung dort einzusetzen, wo sie sinnvoll und zweckmäßig sind und somit einen echten Mehrwert für die Aufgabenerfüllung schaffen. Digitalisierung ist dabei kein Selbstzweck, sondern soll Prüfverfahren, Datenflüsse, Auswertung und Verwaltung effizienter und belastbarer machen.

Ein besonderer Akzent liegt für mich zudem auf der engen und bewährten Zusammenarbeit aller Partner im Sortenwesen. Pflanzenzüchterinnen und -züchter, Länder und Bund tragen gemeinsam Verantwortung dafür, die Rahmenbedingungen für ein zukunftsfähiges Sortenwesen und eine nachhaltige Pflanzenproduktion weiter zu stärken. Das Bundessortenamt kann hier als verlässlicher, neutraler und fachlich kompetenter Partner einen wichtigen Beitrag leisten.


Andrea Madea

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