Container for the scroll indicator

(Will be hidden in the published article)

Ein lebendiges Schaufenster für den Züchtungsfortschritt

Wie sieht Züchtungsfortschritt aus? Die Antwort steht nicht in einer wissenschaftlichen Publikation, sondern sehr eindrucksvoll auf dem Acker. Dort, wo historische und moderne Weizensorten nebeneinander wachsen, werden 140 Jahre Pflanzenzüchtung auf wenigen Quadratmetern sichtbar.

Nach der positiven Resonanz auf den Weizenschauversuch im vergangenen Jahr am Campus Klein-Altendorf der Universität Bonn wird er in diesem Jahr bundesweit an mehreren Standorten fortgeführt und lädt Fachpublikum, Politik sowie Verbraucherinnen und Verbraucher dazu ein, die Entwicklung der Kulturpflanze Weizen unmittelbar nachzuvollziehen.

Dialog zwischen Forschung, Pflanzenzüchtung und Politik vor den Toren Berlins

Die Zeitreise Weizenzüchtung versteht sich bewusst nicht nur als Demonstrationsversuch, sondern auch als Plattform für den Austausch. Und so konnten am 22. Juni 2026 vor den Toren Berlins Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Fachmedien an der Humboldt Universität zu Berlin und am Julius Kühn-Institut (JKI) die Züchtungsforschung und den Züchtungsfortschritt unmittelbar erleben und mit Fachleuten über die Herausforderungen einer nachhaltigen Pflanzenproduktion diskutieren.

Gerade in Zeiten zunehmender Wetterextreme, wachsender Anforderungen an Ressourceneffizienz und steigender Erwartungen an die Qualität landwirtschaftlicher Erzeugnisse wird deutlich: Pflanzenzüchtung ist mit Blick auf die Versorgungssicherheit eine systemrelevante Zukunftsbranche. Der Schauversuch macht sichtbar, dass die Erfolge moderner Landwirtschaft nicht zuletzt das Ergebnis langfristiger Innovationen sind – und dass diese Innovationskraft auch künftig auf Forschung, genetische Vielfalt und verlässliche züchterische Rahmenbedingungen angewiesen bleibt.

Demonstrationsflächen 2026

Neben den Demonstrationsflächen an der Humboldt-Universität zu Berlin (Campus Dahlem) kann der Weizenschauversuch auch an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, der DSV in Leutewitz, der Fachhochschule Südwestfalen am Versuchsgut Merklingsen sowie auf dem Campus Klein-Altendorf der Universität Bonn besichtigt werden. Damit wird die Zeitreise zu einem bundesweiten Schaufenster für die Leistungsfähigkeit moderner Pflanzenzüchtung.

Versuchsfeld am Campus Klein-Altendorf der Universität Bonn

Züchtungsfortschritt wird sichtbar

Der Schauversuch zeigt eine Auswahl von Weizensorten aus rund 140 Jahren Züchtungsgeschichte – von den ursprünglichen Getreidearten Einkorn und Emmer über historische Sorten des späten 19. Jahrhunderts bis hin zu modernen, leistungsfähigen Weizensorten. Unter identischen Anbaubedingungen werden die Unterschiede unmittelbar sichtbar: Pflanzenhöhe, Ährengröße, Standfestigkeit, Blattgesundheit oder Reifeentwicklung lassen sich bereits mit bloßem Auge vergleichen. Besonders eindrucksvoll ist der Wandel der Züchtungsziele. Während früher langhalmige Sorten gefragt waren, die viel Stroh für die Pferdehaltung lieferten, stehen heute andere Eigenschaften im Mittelpunkt. Moderne Weizensorten kombinieren hohe und stabile Erträge mit guter Backqualität, Resistenzen gegen Krankheiten sowie Schädlinge und einer deutlich besseren Anpassung an unterschiedliche Standort- und Klimabedingungen. Der Übergang vom langstrohigen, lageranfälligen Weizen zu den kurzen, standfesten Sorten markiert dabei einen der sichtbarsten Meilensteine der Pflanzenzüchtung und steht gleichzeitig für den technischen Wandel in der Landwirtschaft – insbesondere seit der Einführung des Mähdreschers.

Pflanzenzüchtung denkt in Jahrzehnten

Was auf dem Versuchsfeld innerhalb weniger Meter sichtbar wird, ist das Ergebnis jahrzehntelanger Forschungs- und Züchtungsarbeit. Bis eine neue Sorte nach der ersten Kreuzung den landwirtschaftlichen Betrieben zur Verfügung steht, vergehen häufig zehn bis fünfzehn Jahre. In dieser Zeit müssen Züchterinnen und Züchter Eigenschaften wie Ertrag, Qualität, Resistenzen, Verarbeitungseignung und zunehmend Klimaresilienz in einer Sorte vereinen.


Dabei richtet sich der Blick stets in die Zukunft. Neue Sorten müssen Anforderungen erfüllen, die zum Zeitpunkt ihrer Entwicklung oftmals noch gar nicht vollständig absehbar sind – sei es durch veränderte klimatische Bedingungen, neue Krankheitserreger oder gesellschaftliche Erwartungen an eine nachhaltige Landwirtschaft.


Genetische Vielfalt als Grundlage zukünftiger Innovationen – alte Sorten bleiben unverzichtbar. Der Blick zurück verdeutlicht zugleich, dass Züchtungsfortschritt nur möglich ist, weil auf die genetische Vielfalt früherer Generationen aufgebaut werden kann. Historische Sorten sind keineswegs Relikte vergangener Zeiten, sondern wertvolle genetische Ressourcen. Eigenschaften wie besondere Wurzelarchitekturen, Anpassungsfähigkeit oder Qualitätsmerkmale fließen bis heute in moderne Züchtungsprogramme ein.


Wie eng Vergangenheit und Zukunft miteinander verbunden sind, wurde auch beim Besuch einer Delegation des Global Crop Diversity Trust auf dem diesjährigen Schauversuch in Klein-Altendorf deutlich. Im Mittelpunkt des Austauschs stand die Bedeutung pflanzengenetischer Ressourcen für die zukünftige Ernährungssicherung. Der am Feld präsentierte Stammbaum der gezeigten Sorten machte anschaulich, wie vielfältig die genetischen Beziehungen moderner Weizensorten sind und wie intensiv Züchterinnen und Züchter auf vorhandene Vielfalt zurückgreifen. Das im Sortenschutzrecht verankerte Züchterprivileg schafft hierfür eine wesentliche Grundlage: Es ermöglicht die uneingeschränkte Nutzung bestehender Sorten für die Entwicklung neuer, leistungsfähiger und an zukünftige Herausforderungen angepasster Pflanzen.

Nicole Ickstadt

Lassen Sie uns Feedback da.

Wir freuen uns über Ihr Feedback zu den aktuellen BDP-NACHRICHTEN. Teilen Sie uns gerne Ihre Meinung zu Inhalten, Gestaltung und Aufbereitung mit – sowie Ihre Anregungen für kommende Ausgaben.


​Feedback geben

Nächster Artikel

BLICKPUNKT ZÜCHTUNG
NGT-Verordnung: EU schafft neue Perspektiven für die Pflanzenzüchtung
Weiter

Container for the dynamic page

(Will be hidden in the published article)