Die eigentliche Innovation ist die Sorte


Liebe Leserinnen und Leser,

mit der politischen Einigung zu den Neuen Genomischen Techniken (NGT) hat Europa einen wichtigen Schritt für die Zukunft der Pflanzenzüchtung gemacht. Der BDP begrüßt diese Entscheidung ausdrücklich. Moderne Züchtungsmethoden erweitern die Möglichkeiten der Pflanzenzüchtung und helfen dabei, Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels, neuer Pflanzenkrankheiten und Schädlinge sowie einer nachhaltigen und zugleich produktiven Landwirtschaft zu entwickeln.

Dennoch greift die öffentliche Debatte häufig zu kurz. Sie konzentriert sich auf die Methode – und verliert dabei das eigentliche Ziel aus dem Blick. Denn Methoden sind Werkzeuge. Sie sind kein Selbstzweck. Ob klassische Kreuzungszüchtung, markergestützte Selektion oder künftig Neue Genomische Techniken – jede Methode ist ein Mittel zum Zweck. Der Zweck der Pflanzenzüchtung ist die Entwicklung neuer Sorten, die einen konkreten Nutzen für Landwirtschaft und Gesellschaft schaffen.

Diese Botschaft wurde auf der Zeitreise Pflanzenzüchtung in Berlin-Dahlem eindrucksvoll greifbar. Im Weizenschauversuch der Humboldt-Universität konnten Gäste aus Politik, Wissenschaft und Verwaltung mehr als 140 Jahre Züchtungsfortschritt unmittelbar erleben. Der Blick auf historische und moderne Sorten zeigte: Jede Generation von Pflanzenzüchterinnen und Pflanzenzüchtern hat Antworten auf die Herausforderungen ihrer Zeit gefunden und bestehende Sorten kontinuierlich weiterentwickelt. Im Julius Kühn-Institut wurde zugleich deutlich, wie groß die Herausforderungen der Zukunft sind. Neue Schaderreger wie die Schilf-Glasflügelzikade, sich wandelnde Klimabedingungen und der Wunsch nach einem nachhaltigeren, aber hoch produktiven Pflanzenbau erfordern kontinuierliche Innovation. Dafür braucht es exzellente Forschung, unternehmerische Investitionen und einen Rechtsrahmen, der Innovation ermöglicht statt verhindert.

Die EU-Verordnung zu den Neuen Genomischen Techniken schafft nun die Voraussetzungen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse gezielt ihren Weg in die praktische Pflanzenzüchtung finden. Jetzt kommt es darauf an, diesen Weg konsequent weiterzugehen. Dazu gehören nicht nur innovationsfreundliche Zulassungsregelungen, sondern auch ein passendes Schutzrechtssystem des geistigen Eigentums. Innovation braucht Investitionsanreize. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass neue Sorten auch künftig für die weitere züchterische Bearbeitung genutzt werden können und Genetik uneingeschränkt zugänglich bleibt. Nur so entsteht kontinuierlicher Züchtungsfortschritt, wie die 140 Jahre Weizenzüchtung eindrucksvoll zeigen. Deshalb setzt sich der BDP weiterhin für einen starken Sortenschutz und klare Grenzen der Patentierbarkeit biologischen Materials ein.

Am Ende entscheidet nicht die Methode über den Erfolg einer Innovation, sondern die neue Sorte in ihrer Gesamtheit als Ergebnis eines langjährigen Innovationsprozesses. Sie sichert Erträge, verbessert Resistenzen, schont Ressourcen, eröffnet landwirtschaftlichen Betrieben neue Möglichkeiten und stärkt die Versorgungssicherheit. 

Vielleicht lohnt es sich deshalb, die Debatte künftig etwas anders zu führen: weniger über einzelne Werkzeuge. Mehr über die Lösungen, die daraus entstehen. Und mehr über die Rahmenbedingungen, die diese Lösungen überhaupt ermöglichen.

Herzliche Grüße

Carl-Stephan Schäfer


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