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Pflanzengentische Vielfalt - Lebensversicherung für Klimaresilienz und Ernährungssicherheit

Angesichts der multiplen Krisen ist die Stabilität unserer Ernährungssysteme längst nicht mehr nur eine Frage der Landwirtschaft, sondern Teil der nationalen Sicherheitsarchitektur. Sorten und Saatgut bilden das Fundament, auf dem Ernährung, Bioökonomie und gesellschaftliche Resilienz ruhen. Sie stehen damit auf einer Stufe mit Energieversorgung, Gesundheitsschutz oder digitaler Infrastruktur – unverzichtbar für die Handlungsfähigkeit unseres Landes. Über das Innovationssystem Pflanze bringt die Züchtungsbranche besondere Stärken ein. An seiner Basis steht die Züchtungsforschung: Sie schafft Wissen, eröffnet neue Lösungswege und mindert Risiken. Damit legt sie den Grundstein dafür, dass aus Ideen Innovationen werden, die die Ernährungssysteme stabilisieren und zugleich die strategische Handlungsfähigkeit Deutschlands untermauern.

Die Jahrestagung der Gemeinschaft zur Förderung von Pflanzeninnovation e. V.(GFPi) im November dieses Jahres in Bonn macht deutlich: Ohne eine dauerhaft angelegte Forschungs- und Innovationspolitik kann die Branche die Herausforderungen von Klimawandel, Ressourcenschutz und Ernährungssicherheit nicht bewältigen.

Auftrag Zukunft: Genbanken und die Sicherung der pflanzengenetischen Ressourcen 

Dialogveranstaltung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) und dem Informations- und Koordinationszentrum Biologische Vielfalt (IBV) zur Sicherung pflanzengenetischer Ressourcen.


Vernetzte Forschung als Motor für Züchtungsfortschritt

Der GFPi-Vorsitzende Wolf von Rhade hob in seiner Eröffnungsrede hervor, dass erfolgreiche Pflanzeninnovation immer vernetzt im System entsteht – über Fachdisziplinen, Sektoren und Institutionen hinweg. Die GFPi sieht ihre Aufgabe darin, Grundlagenforschung, angewandte Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in einem gemeinsamen Innovationsraum zusammenzuführen.
Gerade angesichts steigender Anforderungen in Ackerbau und Pflanzenproduktion brauche es ein forschungspolitisches Umfeld, das langfristig plant und konsequent investiert. Nur so lasse sich die notwendige Innovationsdynamik aufrechterhalten.

Im Zentrum der diesjährigen Tagung standen aktuelle Herausforderungen der Pflanzenzüchtung und die Weiterentwicklung zentraler Forschungsfelder, darunter der Umgang mit pflanzengenetischer Vielfalt, die Nutzung von Datenmengen sowie der Schutz von Nutzpflanzen gegenüber Schadinsekten

Expertise aus Politik und Forschung zu Gast bei den Pflanzenzüchtern

Ministerialdirigent Albert Wulff vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) betonte, dass gezielte Züchtungsforschung und eine stärkere öffentliche Förderung entscheidend seien, um große Herausforderungen wie den Klimawandel oder die Verringerung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes zu meistern. Zugleich skizzierte er, wie die Bundesregierung die Pflanzen- und Züchtungsforschung künftig strategisch ausrichten will. Ziel sei es, die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit vielfältiger Kulturarten und Sorten entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu stärken – damit sich die Landwirtschaft im Ackerbau resilienter aufstellen kann.

Dr. Delphine van Inghelandt, Leiterin der gemeinsamen Arbeitsgruppe „Quantitative Genetik und Zuchtmethodik der Kartoffel“ am IPK und am Julius Kühn-Institut, sprach darüber, wie mithilfe prädiktiver Modelle und Simulationen positive Allelkombinationen gezielt in die Sortenzüchtung integriert werden können und wie sich dadurch der genetische Fortschritt beschleunigen lässt – ein Beispiel dafür, wie Forschung, Datenanalyse und Züchtung konkret zusammenwirken, um Ergebnisse schneller auf den Acker zu bringen.


Lesen Sie HIER den ausführlichen Bericht über das Kartoffelforschungsprojekt Pomorrow, das wir in der Ausgabe 4/2025 vorgestellt haben.

Professor Nils Stein, Leiter der Bundeszentralen Ex-situ-Genbanken am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) und Innovationspreisträger der Gregor Mendel Stiftung, beleuchtete Möglichkeiten, genetische Vielfalt durch moderne Technologien systematisch zu erfassen und nutzbar zu machen. Sein Beitrag zeigte, wie groß das Potenzial von pflanzengenetischer Biodiversität ist – und wie entscheidend die Verbindung von Biologie, Daten und Anwendung sein wird, um dieses Potenzial gezielter auszuschöpfen.


Lesen Sie HIER das ausführliche Interview der GFPi mit Prof. Stein zum Thema "Pflanzengenetische Ressourcen sind unsere Lebensversicherung".

Nachruf auf Dr. Mahmoud El Solh
Ein Leben im Dienst der Ernährungssicherheit 

Die internationale Agrarforschung verliert eine ihrer prägendsten Stimmen: Dr. Mahmoud El Solh, ehemaliger Generaldirektor des International Center for Agricultural Research in the Dry Areas (ICARDA), verstarb am 16. November 2025. 

Mehr als vierzig Jahre lang widmete Dr. El Solh seine Arbeit in unterschiedlichen Funktionen und Positionen den Menschen, die in den trockensten, herausforderndsten Agrarregionen der Welt leben. Seine Arbeit zeichnete sich aus durch wissenschaftliche Exzellenz und ein untrügliches Gespür für Kooperationen. Mit Leidenschaft setzte er sich für den Aufbau starker nationaler Forschungssysteme ein und brachte seine Expertise in globale Debatten über Landwirtschaft, Ernährung und Nachhaltigkeit ein.

Preisträger des Innovationspreises der Gregor Mendel Stiftung in Deutschland 

Als der gewaltsame syrische Bürgerkrieg auch die ICARDA-Genbank bedrohte, zeigte sich Dr. El Solhs unerschütterliches Engagement für den Schutz genetischer Ressourcen. Unter extremsten Bedingungen gelang es ihm und seinem Team, die weltweit einzigartige Sammlung von Gerste, Faba-Bohnen, Linsen sowie alten Weizenarten – insgesamt 150 000 Saatgutmuster - zu sichern und Duplikate an internationale Genbanken auszulagern. Damit wurden unbezahlbare genetische Ressourcen vor der Zerstörung bewahrt – Ressourcen, die für künftige Generationen von Züchterinnen und Züchtern, Forschenden sowie Landwirtinnen und Landwirten entscheidend sein werden, um Sorten zu entwickeln, die Trockenheit, Krankheiten und klimatische Extrembedingungen überstehen können.

Für dieses herausragende Engagement verlieh die Gregor Mendel Stiftung ihm im Jahr 2015 in Berlin den Innovationspreis – stellvertretend für das gesamte ICARDA-Team.

Bei der Preisverleihung würdigte der damalige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt die Tatkraft des ICARDA-Teams als „große Geste der Menschlichkeit“ und betonte, dass Genbanken „keine Museen der Pflanzengeschichte, sondern Grundlage für die Zukunft der Landwirtschaft“ seien. Deutschland dankte Dr. El Solh ausdrücklich für die Bewahrung dieses kulturellen und wissenschaftlichen Erbes – ein öffentlicher Moment, der seine Lebensleistung eindrucksvoll sichtbar machte.

Es ist schön, dass Dr. El Solh noch miterleben konnte, dass es nun konkrete Pläne und teilweise schon umgesetzte Schritte gibt, um die pflanzengenetischen Ressourcen nach Syrien zurückzubringen – vor allem über den Weg der Sicherheitsduplikate in Svalbard und deren Regeneration. 

Interview mit Dr. Mahmoud El Solh im Rahmen der Preisverleihung der Gregor Mendel Stiftung im Jahr 2015

Zur Jahrestagung wurde der GFPi-Geschäftsbericht veröffentlicht. Unter diesem LINK können Sie das PDF-Dokument herunterladen.


Nicole Ickstadt

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