WISSENSCHAFT & FORSCHUNG
Auftrag Zukunft: Genbanken und die Sicherung der pflanzengenetischen Ressourcen
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Dialogveranstaltung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) und dem Informations- und Koordinationszentrum Biologische Vielfalt (IBV) zur Sicherung pflanzengenetischer Ressourcen
Wie müssen Sammlungen pflanzengenetischer Ressourcen künftig aufgestellt werden? Und welche Anforderungen stellen die Nutzenden an die Daten von morgen? Lösungsansätze wurden am 3. und 4. November 2025 im Rahmen des ersten Dialogforums in Bonn mit rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern von Genbanken, botanischen Gärten, Züchtung, Politik und Praxis diskutiert.
Die sechs großen deutschen Genbanken erhalten über 180 000 Pflanzenakzessionen von über 3 000 Arten; eine große Vielfalt, die Ausgangspunkt für Forschung und Innovation ist und einen Beitrag zur globalen Ernährungssicherung in Zeiten des Klimawandels leistet. Ihre Erhaltung ist eine dauerhafte, komplexe und zunehmend herausfordernde Aufgabe, die beständige Weiterentwicklung und Anpassung erfordert. Während der Veranstaltung wurden zahlreiche Ideen formuliert, wie die Politik die Arbeit der Genbanken unterstützen könnte. In diesem Zusammenhang forderte Prof. Dr. Henryk Flachowsky vom Julius Kühn-Institut in Dresden-Pillnitz, Genbanken als kritische Infrastruktur zu betrachten und sie damit finanziell abzusichern.
Aber auch die Genbanken haben die Aufgabe, sich weiterzuentwickeln und damit Lösungen für aktuelle und kommende Herausforderungen anzubieten. Eine Vision für die Bundeszentrale Ex-situ-Genbank in Gatersleben formulierte Prof. Dr. Nils Stein vom Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung. Er beschrieb, wie Transformation von einer klassischen Genbank zu einem biologisch-digitalen Ressourcenzentrum gelingen kann. Eine genomweite Sequenzierung einer Kulturart – etwa Gerste – über mehrere Genbanken hinweg könnte dabei besonders aussagekräftige und vergleichbare Daten liefern.
Effiziente Zusammenarbeit zwischen Pflanzenzüchtung und Genbanken: Welche Voraussetzungen es braucht
Die Nutzung von Genbankmaterial bleibt für Züchtungsunternehmen arbeitsintensiv. Akzessionen sind häufig nicht an heutige oder regionale Umweltbedingungen angepasst, was zu Problemen wie abweichender Blühzeit, Lageranfälligkeit oder geringer agronomischer Performance führt. Gleichzeitig müssen Züchterinnen und Züchter das Gesamtpaket einer erfolgreichen Sorte im Blick behalten – die Suche nach einer Pflanzenlinie mit den gewünschten Resistenzgenen in Kombination mit allen wichtigen agronomischen und Qualitätsmerkmalen einer leistungsfähigen Sorte gleicht daher oft der berühmten Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen.
Aussagekräftige und vergleichbare Daten sind genau der Bedarf, den Züchterinnen und Züchter haben. Derzeit fehlt die Möglichkeit, schnell und einfach Zugriff auf aktuelle Daten zu haben, verdeutlichte Prof. Dr. Friedrich Longin von der Landeszuchtanstalt der Universität Hohenheim die Situation. Für eine effiziente Zusammenarbeit braucht es eine strategische Neuausrichtung von Genbanken hin zu dynamischen, datengetriebenen Kompetenzzentren.
Nur wenn Datenqualität, Adaption an den züchterischen Genpool und Serviceorientierung dauerhaft gesichert sind, können Züchtungsprogramme das volle Potenzial pflanzengenetischer Ressourcen ausschöpfen – und damit die Grundlage für die Sorten der Zukunft legen.
Die Ergebnisse der Dialogveranstaltung von BMLEH und IBV dienen im nächsten Jahr als Baustein für politische Weichenstellungen, um die Nationale Strategie zu genetischen Ressourcen für Ernährung, Landwirtschaft, Forst und Fischerei mit Leben zu füllen und umzusetzen.
Wir werden diese Entwicklung von Züchterseite eng begleiten, denn die Bewahrung der genetischen Vielfalt sowie der breite Zugang zu Genpools und die Nutzung in Züchtungsprogrammen sind der Schlüssel für die Anpassungsfähigkeit gegenüber klimatischen und biologischen Risiken.


Dr. Tanja Gerjets
Stefan Lütke Entrup
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