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Zukunftsfähige Landwirtschaft: Strategien für nachhaltige Ernährungssysteme

Die ZEIT-Konferenz Agrar & Ernährung bündelte am 24.9.2025 starke Stimmen aus Agribusiness, Politik, Wissenschaft und Handel – mit einem klaren Befund: Steigende Energiepreise, der Klimawandel und multiple Krisen fordern die Landwirtschaft auf allen Ebenen heraus. Gleichzeitig wächst der politische und gesellschaftliche Druck, Ernährungssysteme vielfältiger, widerstandsfähiger und nachhaltiger zu gestalten. Die Frage lautet längst nicht mehr ob, sondern wie ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Tragfähigkeit zusammengebracht werden können.

Im Mittelpunkt der Diskussionen standen ambitionierte Ziele wie 30 % Bio bis 2030, Fragen nach der Rolle der Verbraucherinnen und Verbraucher als Treiber des Wandels und die Zukunft regionaler und nachhaltiger Anbausysteme. Dabei wurde deutlich, wie sehr Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen – vor allem zwischen politischer Zielsetzung, ökonomischen Realitäten und ökologischen Grenzen.

Auffällig war, dass das Fundament der notwendigen Weiterentwicklung – die Pflanzenzüchtung – auf der Konferenz kaum zur Sprache kam. Wenn sie erwähnt wurde, dann meist nur im Zusammenhang mit neuen Züchtungsmethoden oder als Werkzeug für die Entwicklung alternativer Proteinpflanzen. Dabei liegt gerade hier der Schlüssel für jede nachhaltige und resiliente Landwirtschaft: Ohne genetische Vielfalt, ohne die Fähigkeit, Pflanzen gezielt an Trockenheit, Schaderreger und Energieknappheit anzupassen, bleiben alle Strategien zur Ernährungswende Stückwerk.

Aus Sicht der Pflanzenzüchtung ergibt sich daraus ein klarer Auftrag:

  • Genetische Vielfalt als stille Infrastruktur: Sie ist keine Randnotiz, sondern die Basis aller Nachhaltigkeitsziele – ob für Ökolandbau, konventionelle Produktion oder neue Proteinstrategien.
  • Innovation als verbindende Grundlage: Züchtung ist die Brücke zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis, politischen Ambitionen und marktfähigen Lösungen.
  • Governance und Förderung: Ernährungspolitik ist Wissens- und Innovationspolitik – und damit immer auch Sorten- und Saatgutpolitik.

Die Pflanzenzüchtung bringt dafür drei strategische Stärken ein:

  • Langfristigkeit: Züchtungszyklen dauern Jahre – die Züchtung arbeitet seit jeher vorausschauend. Wer heute investiert, gestaltet die Optionen für 2030 und darüber hinaus.
  • Resilienz: Sorten sind die erste Verteidigungslinie gegen Klimarisiken, Schädlingsdruck und Ressourcenknappheit.
  • Offenheit: Sortenschutz und Züchtungsausnahme halten Innovationspfade offen und fördern durch ihren Open-Source-Charakter den Fortschritt im System.

Die ZEIT und die DLG-Mitteilungen boten gemeinsam wichtige Impulse und ein ehrliches Lagebild – doch sie offenbarten aus BDP-Sicht auch eine Leerstelle. Der Blick auf Nachhaltigkeit, Bio-Anteil und Konsumverhalten bleibt unvollständig, solange die Pflanzenzüchtung als strategische Innovationsquelle nicht mitgedacht wird.

Denn ob alternative Proteine, tierische Produkte oder regionale Lebensmittel: Jede Vision für die Ernährung von morgen steht und fällt mit der Fähigkeit, Pflanzen an neue Realitäten anzupassen.

Ulrike Amoruso-Eickhorn

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